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	<pubDate>Mon, 12 Jan 2009 15:01:18 +0000</pubDate>
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		<title>VI - Ein Windstoß</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Jan 2009 19:54:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Nachmittag war anders als die anderen. Es war plötzlich gut, Pappe zu zerkleinern. Ich am richtigen Platz. Hier gab es keinen Schreibtisch und keinen Computer. Meine Hände waren mein einziges Werkzeug. Wie schön, hier an dieser Verladerampe arbeiten zu können! Wie schön, hier draußen die Jahreszeiten zu spüren, während andere sich in Büros abrackerten!

Es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Nachmittag war anders als die anderen. Es war plötzlich gut, Pappe zu zerkleinern. Ich am richtigen Platz. Hier gab es keinen Schreibtisch und keinen Computer. Meine Hände waren mein einziges Werkzeug. Wie schön, hier an dieser Verladerampe arbeiten zu können! Wie schön, hier draußen die Jahreszeiten zu spüren, während andere sich in Büros abrackerten!<br />
<span id="more-71"></span><br />
Es war jetzt fünf Uhr nachmittags. Nicole und ich hatten vor sechs Stunden zum ersten Mal voneinander gehört, doch es war, als hätten wir schon lange gekannt. Bis jetzt hatten wir uns jeweils vierzig SMS geschickt. Sie war Friseurin; nicht fertig ausgebildet, aber mit Leidenschaft. Sie fand es wichtig, welche Frisur Menschen trugen. Sie glaubte, wer seine Haare nicht färbe, hätte einfach nicht genug über sein Leben nachgedacht. Leider gab es zurzeit keinen Salon in Eisenhüttenstadt, der eine Fachkraft brauchte. Ihr Plan war, zu warten, bis wieder eine Stelle frei würde. Sie wusste, dass in mindestens zwei der sieben Friseursalons der Stadt Friseurinnen angestellt waren, die über sechzig waren. In spätestens fünf Jahren also käme ihre Chance. Sie war großmäulig, clever und ziemlich entspannt, was Ihr Leben anging. „Ik mach mir eigentlich keine Sorgen“, schrieb sie.<br />
Was ich tat, bewunderte sie. „Find icj cool. Würd ooch gern sowas machen. Mit Geld und so.“ Ich war verliebt. Ich stellte sie mir wunderschön vor. Wahrscheinlich hatte sie braune Augen und dunkles Haar. Sie würde viel lachen und ständig Witze machen. Sie würde bestimmt gern Reisen. So Trekkingsurlaube. Und - ich war mir nicht sicher, aber Gefühl sagte mir das - wahrscheinlich würde sie sich auch für Politik interessieren. Hoffentlich war sie nicht für die CDU!<br />
Ob sie Blumen mochte? Ich hatte noch etwa 75 Euro für die nächsten drei Wochen auf dem Konto, zwanzig Euro für einen Strauß könnte ich mir also leisten. Sicher mochte sie Blumen. Während Fuessner Pause machte, schlich ich mich in sein Büro und schickte ihr Rosen.<br />
Wie schön die Heimfahrt war! Ich beschrieb ihr per SMS jede der zwölf U-Bahn-Stationen, an der ich vorbei fuhr, während sie die Menschen beschrieb, die vor ihrem Fenster auf der Eisenhüttenstädter Hauptstraße vorbeiliefen. Ich hatte mehr zu schreiben. Dann schauten wir zusammen einen Krimi. Es war, als habe sich meine große Liebe in Form eines Handys materialisiert. Über die SMS hatten wir ständigen Kontakt. Telefonieren war im Vergleich viel teurer und ging nur manchmal.<br />
Später, wir lagen im Bett, wurde sie plötzlich ernst. Ihre SMS klang anders die davor.<br />
„Du, Christian?“<br />
„Ja, Nicole?“<br />
„*fluester* Ich liebe Dich.“<br />
Ich war bewegt. Da war sie nun also, die Liebe. Ich hatte sie sonstwo gesucht. Und nun fand sie mich in einem Zoofachmarkt. Sie würde mich begleiten, da war ich mir sicher. Nach Amerika und bis ans Ende der Welt.<br />
„Ich Dich auch.“<br />
Wir schliefen in dieser Nacht erst spät ein. Erleichtert und ruhig.<br />
Am nächsten Morgen schien die Sonne. Leichtfüßig sprang ich aus dem Bett, drehte die Musik auf und tanzte zu Musik von Elvis. Ich warf Obst in den Mixer, während ich die Zeitungsnachrichten überflog, die Kaffeemaschine befüllte und ein Brot schmierte. Ich tanzte durch die Wohnung, machte Handstand vor dem Klobecken und sang den „Jailhouse Rock“ vom Balkon. Bereits seit einer Stunde musste ich eigentlich arbeiten. Es war mir egal.<br />
Nachdem ich unter der Dusche das gesamte „Aftermath“-Album der Stones durchgesungen hatte, tanzte ich in mein Zimmer. Ich zog mich an. Mein Handy. 9 neue Nachrichten. Ich las sie nacheinander durch.</p>
<p>4:29 “Hey! schläfst Du schon? Oder bist Du noch wach!?!“<br />
5:10 „Es is so: I miss you!“<br />
5:20 „Du nicht? Warum  sagst DU ncihts?“<br />
5:42 „Ick weiß nich, ob Du schläfst oder mich verarscht. Hab ich was Falsches gesagt?“<br />
6:19 „Please talk to me! I need your love!!!!!!!!!“<br />
6:37 „Oh Mann, ich heul seit ner halben Stunde. Was hab ich Dir denn bloß getan?“<br />
7:24 „Das Du so Scheiße sein kannst &#8230;.!!!“<br />
7:46 „Ich brauch sowas echt nicht mehr.. Bin oft genug sitzengelassen worn.“<br />
8:17 „FIKK DICH INS KNIE, Du blöde Pisnelke!!!!!“</p>
<p>Fuessner bestrafte mich mit einer Extraschicht Sheba-Dosen sortieren, nicht ohne mir vorher eine Standpauke über den Wert von Verantwortung und Disziplin zu halten. Draußen begann es zu regnen. Es sollte die nächsten fünf Tage anhalten.<br />
Ich habe den ganzen Tag versucht, Nicole zu erreichen. Und den danach. Und den danach auch. Ich schrieb Ihr, dass ich nicht wüsste, was los sei. Dass sich für mich nichts geändert habe. Dass Sie sich endlich melden solle. Doch sie antwortete nicht mehr. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört.</p>
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		<title>V - Ein kleines Licht</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Nov 2008 19:01:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war April.
Seit zwei Monaten war ich jetzt bei Fuessner angestellt und nichts war gut geworden. Im Laden war ich noch immer für die Warenlieferungen und das Zerkleinern von Pappe zuständig. Fuessner glaubte, mir mit der Zuteilung dieser beknackten Arbeit eine wertvolle Lektion zu erteilen. Als ich ihn einmal bat, mir mehr über Betriebswirtschaft zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war April.<br />
Seit zwei Monaten war ich jetzt bei Fuessner angestellt und nichts war gut geworden. Im Laden war ich noch immer für die Warenlieferungen und das Zerkleinern von Pappe zuständig. Fuessner glaubte, mir mit der Zuteilung dieser beknackten Arbeit eine wertvolle Lektion zu erteilen. <span id="more-68"></span>Als ich ihn einmal bat, mir mehr über Betriebswirtschaft zu erzählen, sagte er: „Das kommt später. Jetzt musst Du erstmal arbeiten lernen.“ Er versuchte, dabei weise auszusehen. Wahrscheinlich fühlte er sich ein wenig wie der alte Mr.Miyagi aus &#8220;Karate Kid&#8221;. Ich verließ sein Büro und machte mich wieder an die Pappe.<br />
Fuessner weder weise noch erfahren. Er hatte das Geschäft vor fünf Jahren, direkt nach seinem BWL-Studium, von seinem Papa geerbt. Den alten Papageienfutterladen hatte er zu einem modernen „Alles-für-ihr-Haustier“-Unternehmen gemacht, mit einheitlichem Corporate Identity und Super-Knüller-Sonderangebots-Prospekten. Der Laden lief, und das machte Fuessner selbstbewusst. Er hielt für sich energisch, aber liebevoll. Einen Menschen mit liebenswerten Macken. Schlechte Laune, sagte er einmal, mache einen Chef doch erst menschlich. Von sich selbst sprach er immer in der dritten Person als „Chef“.<br />
Die Woche Urlaub, die ich im April genommen hatte, hatte ich betrunken vor dem Fernseher verbracht. Ich wusste nicht, was ich sonst tun sollte. Lange Spaziergänge durch die Stadt deprimierten mich. Freunde hatte ich hier nicht. Also kaufte ich im Supermarkt jeden Tag fünf Dosen Bier, die ich über den Tag aufteilte. Abends, nach den Tagesthemen, kaufte ich manchmal noch ein sechstes. Am vierten Tag meines Urlaubs überkam mich Panik, bald wieder arbeiten zu müssen. Ich kaufte jetzt gleich sechs Biere. Manchmal rief meine Mutter an und fragte, wie es mir ginge. „Gut“, log ich.<br />
Nach einer Woche Dauerrausch in das Geschäft zurückzukehren, war schlimm. Träge  und und schlecht gelaunt faltete ich seit mehreren Stunden die Pappe, die eine ganze Woche lang liegen geblieben war. Die ganze Welt roch nach Hamsterpisse und Katzengras. Überall waren Aquarienpumpen, bellende Hunde und das Kreischen von Wellensittichen zu hören. Eine langsame, dumme Bösartigkeit floss durch meinen Kopf; ich dachte an tote Wellensittiche.</p>
<p>Mein Handy klingelte. Am Telefon war eine Frauenstimme, die mich Markus nannte. Sie hatte sich verwählt. Doch sie war der erste Mensch dieses Tages, für den ich nicht der Typ mit der roten Weste war. Ich saugte förmlich an unserem kurzem Gespräch. „Bis bald“, verabschiedete ich sie am Ende des kurzen Gespräches, plötzlich fröhlich. Ein wenig beschwingt zerkleinerte ich einen besonders harten SHEBA-Aufsteller. Kurz darauf brummte mein Handy. Eine neue SMS.</p>
<p>„Entschuldige, aber warum hast du eben gesagt: Bis bald? Du kennst mich doch garnicht.“  stand auf dem Display. Die Frauenstimme.<br />
Ich dachte nach. Warum eigentlich?<br />
„Weiss nicht genau, du klangst aber sehr nett.“ schrieb ich schließlich und begann, 50 leere Stiegen Trill-Wellensittich-Stangen zu zerkleinern. Aquaristik-Bernie erschien auf der Rampe und steckte sich eine Zigarette an.<br />
„Na Chrischie, schön am Arbeiten?“ fragte er, ganz ohne Gemeinheit.<br />
„Ja“, sagte ich. „Muss ja weg, das Zeug.“<br />
„Ja, ist richtig so. Muss ja weg.“ erwiderte er. Schweigend folgte er seinen Rauchblasen, die sich unter dem Vordach der Rampe in meine Richtung waberten, bis sie vom Regen vernichtet wurden. Dort, im Regen, stand ich. Michi verschwand wieder. Es brummte. Eine neue SMS. Die Frauenstimme.<br />
„Ich fand dich auch nett. Lg, Nicole“</p>
<p>Mittags hatte mich Fuessner zum Italiener eingeladen. Während ich meine Spaghetti verschlang, versuchte er, ein persönliches Gespräch mit mir zu führen. Seine selbst zugeschriebene Rolle als liebevoller Sklaventreiber verlangte es, dass er sich und anderen gegenüber regelmäßig den Eindruck erweckte, ihm läge das Schicksal seiner Sklaven am Herzen; er würde sie nur deshalb nachmittagelang stinkende Rinderpansen einzeln abzählen lassen, weil die Welt da draußen genauso sei. Weil wir, seine Kinder, lernen müssten, dass es nirgendwo etwas umsonst gäbe. Und dass man sich von ganz unten nach oben kämpfen könne. </p>
<p>Es interessierte Fuessner aber nicht besonders, wie es mir ging. Also wechselten wir schnell das Thema. Er erklärte mir, warum es im Osten wirtschaftlich nicht läuft. Seine These: Es gibt zu viele faule Schweine dort. „Die Planwirtschaft hat Euch ja alle versorgt.  Klar wollt Ihr nicht arbeiten. Aber jetzt versorgen wir Euch. Noch. Ihr müsst lernen, auf eigenen Beinen zu stehen.“ </p>
<p>Das Handy brummte. „Wo wohnst Du eigentlich? Und was machst Du? Würd mich mal interessen.“ Ich verdrückte mich aufs Klo, um ihr in Ruhe zu antworten. „In Hamburg, ich bereite eine Unternehmensgründung in den USA vor. Und Du?“, antwortete ich. Ich rekelte mich. Auf dem Klo roch es entsetzlich nach Klostein, aber ich wollte unbedingt ihre Antwort haben. Und ihr antworten. Dann brummte es. „Bist Du n Manager? Ich wohn in Eisenhüttenstadt, und gerade sitz ich auf meiner Couch und mach nix. Und hast Du auch ne Freundin?“ „Nein“, schrieb ich zurück.</p>
<p><a href="http://christianbangel.de/?p=71">Weiter</a></p>
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		<title>IV - Der Bürgermeister</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Sep 2008 21:39:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Unser dummer Ossi]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Mittagspause war wichtig. Sie dauerte eine Stunde und gab mir die Möglichkeit, zu essen. Früher hatte ich gegessen, wenn ich hungrig war. Nun aber war ich bei Fuessner angestellt. Und Fuessner glaubte, es schade dem Verkauf, wenn die Mitarbeiter seines Ladens mit Privatem beschäftigt seien. Essen war absolut ausgeschlossen. Nicht einmal ein Schokoriegel.

Er hatte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Mittagspause war wichtig. Sie dauerte eine Stunde und gab mir die Möglichkeit, zu essen. Früher hatte ich gegessen, wenn ich hungrig war. Nun aber war ich bei Fuessner angestellt. Und Fuessner glaubte, es schade dem Verkauf, wenn die Mitarbeiter seines Ladens mit Privatem beschäftigt seien. Essen war absolut ausgeschlossen. Nicht einmal ein Schokoriegel.<br />
<span id="more-46"></span><br />
Er hatte einen kleinen Aufenthaltsraum eingerichtet, in dem die acht Mitarbeiter ihre Mittagspause verbringen konnten. Es gab dort drinnen eine Küchenzeile, einen Tisch und zwei Stühle. Aus dem Fenster schaute man auf den Parkplatz des benachbarten Baumarktes. Die, die dort ihre Pause verbrachten, taten dies im Dämmerzustand. Die meisten Gespräche hatten nichts als Thema und endeten abrupt. Nicht, dass jemand etwas Falsches gesagt hätte. Es lohnte einfach nicht, weiterzureden.<br />
Bald mied ich den Pausenraum. Einige Meter vom Laden entfernt gab es einen Dönermann, der zwar miesen Döner machte, aber immer gute Laune hatte. Eines Tages erzählte ich ihm, wo ich herkam und was ich hier tat. Er lächelte, während er das Fleisch vom Spieß abkratzte.</p>
<p>&#8220;Und was machst Du, wenn Du die 30.000 Eier hast?&#8221;<br />
&#8220;Vielleicht in die Politik gehen.&#8221; Ich zögerte. Sollte ich ihm sagen, dass ich davon träumte, mal Bundeskanzler zu werden? Lieber nicht.<br />
&#8220;Vielleicht werd&#8217; ich ja mal Bürgermeister von Hamburg.&#8221;<br />
&#8220;Bürgermeister, nicht schlecht!&#8221; Er zog seine Augenbrauen nach oben. Offenbar war er von meinem Ehrgeiz überrascht.<br />
&#8220;Hier, Bürgermeister, Dein Döner. Drei Mark bitte.&#8221;</p>
<p>Ich zog gut gelaunt von dannen. Endlich, glaubte ich, nahm mich wieder mal jemand für voll. Das aber war ein Trugschluss. &#8220;Hallo Bürgermeister!&#8221;, begrüsste mich der Dönermann von nun an jeden Tag lachend.<br />
Dann bat er mich um gesetzgeberische Hilfe. Jeden Tag hatte er eine neue Bitte.<br />
&#8220;Bürgermeister, mach mal ein Gesetz. Ich brauche einen neuen Kühlschrank. Kannst Du da was machen?&#8221; Oder: &#8220;Bürgermeister, ich hab Fußpilz! Warum wird sowas nicht verboten?&#8221; Er hatte unglaublich Spaß dabei. Besonders peinlich wurde es, wenn noch andere Kunden am Stand waren. Er erzählte es einfach jedem: &#8220;Hört mal Leute, Ihr dürfts nich&#8217; weitersagen. Aber er hier wird mal Bürgermeister von Hamburg.&#8221; Die Leute schauten mich an und lachten. Er lachte. Ich zuerst auch.</p>
<p>Aber dem Dönermann wurde der Gag einfach nicht langweilig. Irgendwann beschloss ich, ihn zu meiden und ab sofort bei Wal-Mart Pommes zu essen. Leider kam auf dem Weg aus dem Laden nicht an ihm vorbei, ohne vom ihm gesehen zu werden. Außerdem schien ihn das nur noch mehr anzuspornen. &#8220;Bürgermeister, Du musst unter die Leute, sonst wählt Dich keiner&#8221;, feixte er. &#8220;Bürgermeister. Du bist schon genauso arrogant wie die anderen Politiker. Vielleicht wähl ich Dich doch nicht.&#8221;</p>
<p>Ignorieren half also auch nicht. Nach zwei Wochen beschloss ich, wieder bei ihm zu essen. Ich würde es einfach über mich ergehen lassen. Irgendwann, dachte ich, würde er schon aufhören. &#8220;Gut, dass Du da bist, Bürgermeister. Warst auf Dienstreise, was?&#8221;, begrüsste er mich. &#8220;Sag mal, kannst Du mir helfen? Ich brauch ne neue Frau, meine hat mich vor zwei Jahren verlassen? Da kannst Du doch was anleihern, oder?&#8221; Ich aß und schaute in meinen Döner. </p>
<p><a href="http://christianbangel.de/?p=68">nächstes Kapitel</a></p>
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		<item>
		<title>III - &#8220;Es gibt viele Arschlöcher da draußen&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Sep 2008 20:12:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Unser dummer Ossi]]></category>

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		<description><![CDATA[Nachdem ich Fuessner zugesagt hatte, verbrachte ich meine letzten Wochen in Frankfurt (Oder) mit großspurigen Ankündigungen.
In Hamburg würde ich ins Kulturmilieu einsteigen, prahlte ich. Schließlich hätte ich schon die ersten Leute dort kennengelernt, zum Beispiel im Zoofachmarkt: Ein erst 16-jähriger, aber ziemlich cooler Typ, der mir alles zeigen würde. Die Freunde freuten sich mit mir.
Doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem ich Fuessner zugesagt hatte, verbrachte ich meine letzten Wochen in Frankfurt (Oder) mit großspurigen Ankündigungen.<span id="more-41"></span><br />
In Hamburg würde ich ins Kulturmilieu einsteigen, prahlte ich. Schließlich hätte ich schon die ersten Leute dort kennengelernt, zum Beispiel im Zoofachmarkt: Ein erst 16-jähriger, aber ziemlich cooler Typ, der mir alles zeigen würde. Die Freunde freuten sich mit mir.<br />
Doch irgendwie ahnte ich, dass es schmerzhaft würde. Schon meine Versuche, eine WG in Hamburg zu finden, zeigten mir, dass ich mich in einem komplett neuen Land würde zurechtfinden müssen. Offenbar verstand ich Mitbewohner-Such-Anzeigen-Codes komplett falsch, denn in den WGs, die ich heraussuchte, traf ich fast nur merkwürdige Leute. Einer führte mich durch eine Wohnung, deren Boden über und über von Kinderspielzeug bedeckt war. &#8220;Haben Sie Kinder?&#8221;, fragte ich. &#8220;Nein, denn die kommen nie wieder&#8221;, antwortete der Mann. Ich machte, dass ich wegkam.<br />
Auf St.Pauli schaute ich mir eine WG an, die in der Anzeige mit den Worten &#8220;spaßig, freundschaftlich, keine Zweck-WG. Hier herrscht viel Fun!&#8221; beschrieben wurde. Es handelte sich um ein betreute WG von Ex-Junkies. Alle fünf Bewohner waren auf ihren Zimmern und nahmen keine Notiz von mir. Der Sozialarbeiter, der mich durch die Wohnung führte, nutzte die selbe merkwürdige Sprache der Anzeige. &#8220;Wir sind hier spritzig und halten zusammen&#8221;, sagte er. &#8220;Kameradschaft ist ganz klar vorhanden.&#8221; Gelangweilt schaute er durch mich hindurch, während er die Wohnung bewarb.<br />
Schließlich landete ich bei Lisa. Sie war der erste Mensch an diesem verregneten Tag, der mich anlächelte. &#8220;Komm rein!&#8221; begrüsste sie mich an der Tür und hüpfte in die Küche, um mir einen Pfefferminztee zu machen. Ich wusste sofort, dass ich hier richtig war. Lisa war etwas älter als ich. Sie arbeitete in einem Musikgeschäft in einem nahegelegenen Einkaufszentrum. Kürzlich hatte sie sich von ihrem langjährigen Freund getrennt, mit dem sie die Wohnung bezogen hatte. Ihr Zimmer war dunkelblau, mit vielen gelben Flecken gesprenkelt. An den Wänden hingen Marylin-Manson-Poster. Sie lachte viel und dreckig. Wir waren uns sofort einig.</p>
<p>Mein erster Arbeitstag war ein kalter Tag im Februar. Fuessner teilte mich für die Lieferungen ein. Er ordnete mich damit am untersten Ende der Hiercharchie ein. Mein Job war es, mehrere Male am Tag Euro-Paletten mit der neuen Ware anzunehmen und zu entladen. Da es keinen von den Blicken der Kunden abgeschirmten Bereich gab, musste ich die Palette mitten im Geschäft leeren. Das musste schnell gehen, denn Fuessner war der Ansicht, dass die Paletten die Kunden vom Kaufen abhielten. Nervös überprüfte er alle paar Minuten, wie weit ich mit dem Abräumen war.<br />
Leider verlangte Fuessner auch, dass jede Lieferung akribisch auf Vollständigkeit geprüft wurde. Wurden große Aquarienkombinationen oder Katzenklos geliefert, war das nicht weiter schwierig. Der typische Lieferschein aber sah etwa so aus:</p>
<p>15 * 24 Whiskas Schale Terrine mit 3 Sorten Geflügel<br />
15 * 24 Whiskas Schale Terrine mit Ente<br />
15 * 24 Whiskas Schale Terrine mit Forelle</p>
<p>12 * 30 100g-Frischebeutel Varianten mit Geflügel in Gelee<br />
12 * 30 100g-Frischebeutel Herzhaftes Ragout in Soße<br />
12 * 30 100g-Frischebeutel Zarte Leckerbissen in Soße<br />
12 * 30 100g-Frischebeutel Senior: Leckere Vielfalt in Soße</p>
<p>24 * 800g Rinti Rind<br />
24 * 800g Rinti Geflügelherzen<br />
24 * 800g Rinti Wild</p>
<p>30 * Rinderpansen-Mix 500g geruchsarm verpackt<br />
20 * Welpen-Mix 500g geruchsarm verpackt<br />
30 * Seniormix 500g</p>
<p>12 * 100 Ds. Sera  Viformo-Futtertabletten<br />
15 * 25 Fl. Sera nitrivec<br />
90 * Sera Vipan Flockenfutter</p>
<p>Offenbar war Fuessner mal von einem Lieferanten um einige Kilo Katzenfutter betrogen worden. Seitdem ließ er jede Lieferung bis auf die letzte Dose kontrollieren. 15 Stiegen mit je 24 Dosen Katzenfutter konnte ich also nicht von außen nachzählen und abhaken. Ich musste jede Dose einzeln abzählen. &#8220;Man darf nicht naiv sein&#8221;, sagte Fuessner, als er mir das Entpacken erklärte. &#8220;Da draußen gibt es zu viele Arschlöcher.&#8221; </p>
<p>Hatte ich die Ware nach Stunden endlich abgezählt, musste ich sie ins Regal stellen, allerdings hinter die älteren Artikel. Besonders bei Futterdosen, die nicht stabil aufeinander standen, konnte man dabei den letzten Nerv verlieren, weil die Dosen-Türme mit dem Sonntags-Fischragout von Sheba immer wieder einstürzten.<br />
In den ersten Wochen verbrachte ich achtzig Prozent meiner Zeit mit den Lieferungen. Die restlichen zwanzig gingen für das Zusammenfalten, Verpacken und Entsorgen der immensen Pappemengen drauf, die mit jeder Lieferung kamen. Das Gute am Pappemachen war, dass sich der Pappcontainer auf einem Hof hinter dem Laden befand. So konnte ich mich jeden Tag für eine gewisse Zeit den Anweisungen, Kontrollen und Ratschlägen Fuessner und der anderen Kollegen entziehen. Leider war die Rampe am Hinterhof auch die Raucherecke. Besonders, wenn mehrere Mitarbeiter gleichzeitig zum Rauchen kamen, war man den Tipps zum korrekten Zusammenfalten der Pappe gnadenlos ausgeliefert.</p>
<p><a href="http://christianbangel.de/?p=46">weiter</a></p>
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		<item>
		<title>II - Es ist nicht gut, aber&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Sep 2008 10:23:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Unser dummer Ossi]]></category>

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		<description><![CDATA[Dies hier war eine andere Welt. Der Markt von Herrn Fuessner lag am Rand eines riesigen Gewerbegebiets zwischen dem bürgerlichen Hamburger Vorort Oststeinbek und Billstedt, einem Stadtteil, in den man noch heute Journalisten schickt, wenn eine brutale Ausländergeschichte gebraucht wird. Die Pufferzone zwischen diesen ungleichen Gebieten war das Gewerbegebiet, in dessen Zentrum sich ein Wal-Mart [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies hier war eine andere Welt. Der Markt von Herrn Fuessner lag am Rand eines riesigen Gewerbegebiets zwischen dem bürgerlichen Hamburger Vorort Oststeinbek und Billstedt, einem Stadtteil, in den man noch heute Journalisten schickt, wenn eine brutale Ausländergeschichte gebraucht wird. <span id="more-30"></span>Die Pufferzone zwischen diesen ungleichen Gebieten war das Gewerbegebiet, in dessen Zentrum sich ein Wal-Mart und ein Baumarkt befand. Nicht weit entfernt stand Herr Fuessners Markt. Hier wohnte niemand. Die nächste menschliche Behausung war mehrere Kilometer entfernt.<br />
Wir hatten vereinbart, dass ich drei Tage zur Probe in dem Markt arbeiten sollte. Fuessner warf mir eine Weste zu. Sie war eine bewusste Demütigung des Trägers, die dem Kunden deutlich machen sollte, dass der Mitarbeiter ihm gänzlich ergeben sei und sich von ihm alles, selbst schlimmste Beleidigungen und Beschimpfungen anhören würde. Sie war knallrot und am hinten so kurz geschnitten, dass sie die Hälfte des Rücken frei ließ. Auf der linken Brustseite war das Logo des Ladens aufgedruckt, eine Zeichnung eines Hundes und einer Katze, die glücklich waren, dass sie Lebensmittel aus Fuessners Laden bekommen. Darunter war ein Name aufgedruckt: M. Bender. Diese Weste war eine Zäsur. Bis hier hin war ich ein vielversprechender junger Mann, der für ein Trainee-Programm in ein erfolgreiches Unternehmen ging. Jetzt war ich Bangel und sollte als erstes den Boden wischen, auf den eben ein kleines Kind gekotzt hatte. Fuessner trug als einziger im Laden keine Weste.<br />
In den nächsten drei Tagen begleitete ich einen 16-jährigen Angestellten. Er ließ mich spüren, dass er glücklich war, jetzt nicht mehr der unterste in der Hiercharchie zu sein.  Er war klein, dick, dumm und autoritär. Mit gewichtiger Miene erklärte er mir, wie man am schnellsten Katzenfutterdosen im Regal nach vorne dreht. &#8220;Schau genau zu, wie ich das mache!&#8221;, sagte er, als er mir zeigte, wie man Pappe zerkleinert und in den Müll wirft. &#8220;Hast Du alles verstanden?&#8221; Danach ließ er mich die Pappe zerkleinern und beobachtete, ob ich das richtig machte. Ich machte es nicht richtig, fand er.<br />
Der Kleine machte mich nach kurzer Zeit wütend. Am schlimmsten war, dass er auch noch gemocht werden wollte. Dass ich ihm drei Tage lang zugeteilt war, wertete er als Zeichen des Interesses an ihm. Nach Feierabend begleitete er mich. Dummerweise hatte ich gesagt, woher ich stamme. Nun glaubte er, mich mit westdeutschen Gepflogenheiten vertraut machen zu müssen. &#8220;Kennst Du Döner? Das ist türkisch und schmeckt saulecker.&#8221;<br />
Was sollte ich sagen, als die drei Tage vorüber waren? Ich wollte den Laden gründen, ich wollte das Geld und ich wollte in eine neue Stadt. Einige Tage später rief ich Fuessner an und sagte zu. Fuessner sagte noch, er freue sich auf mich.</p>
<p><em><a href="http://christianbangel.de/?p=41#more-41">weiter</a></em></p>
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		<item>
		<title>I - Warum eigentlich nicht?</title>
		<link>http://christianbangel.de/?p=13</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Aug 2008 21:06:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Unser dummer Ossi]]></category>

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		<description><![CDATA[Als ich zwanzig war, dachte ich, das Leben sei ganz einfach. Ich leistete meinen Zivildienst ab und verlebte ein Jahr, das noch sorgenfreier war als die Abiturzeit. Der Staat zahlte mir nicht nur ein fürstliches Gehalt, sondern finanzierte mir auch eine Plattenbauwohnung, die genau zwischen den zwei einzig relevanten Clubs meiner Heimatstadt Frankfurt (Oder) lag.

Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich zwanzig war, dachte ich, das Leben sei ganz einfach. Ich leistete meinen Zivildienst ab und verlebte ein Jahr, das noch sorgenfreier war als die Abiturzeit. Der Staat zahlte mir nicht nur ein fürstliches Gehalt, sondern finanzierte mir auch eine Plattenbauwohnung, die genau zwischen den zwei einzig relevanten Clubs meiner Heimatstadt Frankfurt (Oder) lag.<br />
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Der Zivijob, den ich für diese Wohnsituation zu versehen hatte, war völlig schmerzfrei. Ich arbeitete an einer integrierenden Gesamtschule, an der es neben gesunden Schülern auch einige  körperlich oder geistig behinderte Kinder gab. Meine Aufgabe war es,  jeden Tag einen halbautistischen sechsjährigen Jungen namens Micha in die erste Klasse zu begleiten und im dabei zu helfen, dem Unterricht zu folgen. Micha konnte ziemlich gut lesen und sehr gut rechnen.<br />
In meiner freien Zeit fühlte ich mich meist ganz fantastisch. Die meisten Menschen stellen sich unter Frankfurt (Oder) etwas Schlimmes vor. Doch es gab dort großartige Künstler, Breakdancer, Sprayer, DJs. Andere hatten erstaunliche Führungsqualitäten. Viele konnten unglaublich gut reden. Natürlich konnten auch eine Menge Leute nichts. Doch auch die wussten immer von neuen Ideen und Projekten zu berichten, die irgendjemand gerade wieder entwickelte.<br />
Das wirkte nach. Wir hatten das Gefühl, dass der Rest Deutschlands, ja, der Welt auf uns wartete. Das ging sogar soweit, dass sich eine große Gruppe fand, die ernsthaft plante, einen Masseneintritt in die Frankfurter SPD zu organisieren. Sie wollten den Bürgermeister stellen.<br />
Ich selbst hatte damals vor, Bundeskanzler zu werden. Oft schritt ich mit Helmut-Schmidt-Mine und einer Tageszeitung unterm Arm durch die Stadt. Ich hatte vor, nach meinem Zivildienst zunächst ein Praktikum beim SPIEGEL zu machen, um dann mit meinen frischerworbenen Kenntnissen in die Politik einzusteigen und groß rauszukommen.<br />
Es ging mir also gut, als mich mein Onkel an diesem Abend im August ansprach. Er hatte sich nach der Wende mit einer Zoofachmarkt-Kette selbstständig gemacht. Wie viele Ostdeutsche, die in Opposition zur DDR standen, sah er die USA als das einzige Land an, an dem wirkliche Freiheit herrschte.<br />
Mein Onkel erklärte mir, er wolle Jacksonville, Florida, eine Filiale gründen, um dort eine Art Kaderschmiede für seinen Führungsnachwuchs aufzubauen. Ich nickte interessiert, während ich an einem Stück Entenfleisch kaute. Er sagte, ich sei ein junger, dynamischer Mann. Er schätze mich. Ich machte ein abwehrendes Geräusch, während ich von meinem Bier trank. Er fragte, ob ich Lust hätte, diese Filiale für ihn zu gründen. Er böte mir 30.000 Mark. Ich verschluckte mich und hustete.<br />
Doch der Gedanke gefiel mir. Einen Laden zu gründen und dafür unglaublich viel Geld zu kassieren, entsprach genau dem, was ich mir vorgestellt hatte. Schließlich musste ich Führungserfahrung sammeln, wollte ich in der Politik weiterkommen. Und betriebswirtschaftliche Erfolgsgeschichten waren genau das, was man von Spitzenpolitikern heute hören wollte. Es würde später gerade einem Linksliberalen wir mir gut zu Gesicht stehen, in TV-Diskussionen auf meine Erfahrungen in diesem Bereich verweisen zu können. Das einzige kleine Problem war, dass ich zuwenig von der Branche wusste. Genauer gesagt, ich wusste nicht einmal, was Katzenstreu war. Aber das sollte nicht das Problem sein. Mein Onkel war gut verdrahtet und ich lernfähig. Er stellte mir drei Städte zur Auswahl, in denen ich eine Zeit lernen sollte, bevor ich rübermachen würde: Bremen, Köln, Hamburg.<br />
Einige Wochen später saßen wir in einem italienischen Restaurant in Hamburg. Mit am Tisch saß Bernd Fuessner, der Besitzer eines zweigeschossigen Zoofachmarktes in einem Gewerbegebiet. Er und mein Onkel unterhielten sich einige Zeit über Geschehnisse in der Branche. Als der Kellner die Hauptspeise gebracht hatte, sah Fuessner mich über seine runde Brille an und sagte:<br />
&#8220;Meine erste Frage ist: Duzen oder siezen?&#8221;<br />
Ich war erfreut. Das war offenbar ein moderner Chef, der auf flache Hierarchien setzte.<br />
&#8220;Gern duzen!&#8221;, sagte ich.<br />
&#8220;Gut. Mein Name ist Herr Fuessner, ich werde gesiezt. Ich hoffe, Du wirst gut in unser Unternehmen passen.&#8221;<br />
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